Nachdem ich heute eeendlich den Roundpen fertiggebaut und die Schafe hineingelockt hatte (hatte zwar ein schlechtes Gewissen, aber ich war überzeugt, dass alles ruhig abläuft), trainierte ich zum ersten Mal mit Juli (angeleint) mit unseren Schafen.
Nachdem sich Juli in den letzten Trainings nur noch wie eine rasende Irre aufgeführt hatte (aufgrund ihrer Verletzung eine Weile her) und ich deswegen eine kleinere Sinnkrise gehabt hatte, hatte ich mit ihr sehr viel geübt, ganz ruhig und entspannt zu sein. Zudem hatten wir die „Hütebewegungen“ an einem Roundpen ohne Schafe, aber mit Ball geübt.
Und wer hätte das gedacht: nun bei unseren Schafen verhielt sich Juli wieder genau so ruhig, wie sie es früher getan hatte als Junghund und bei den wenigen Trainings bei meinem Nachbarn, gehorchte genau so, wie wir es trainiert hatten (ohne Schafe).
Aber der Reihe nach: zuerst liess ich sie angeleint, von verschiedenen Seiten her auf die Schafe zugehen, was sie super machte. So ruhig und überlegt, hatte sie sich schon lange nie mehr verhalten. Dann wollte ich eigentlich aufhören, Juli lief aber im gleichen Moment los und zack die Leine aus meiner Hand. Sie raste sogleich zwei- bis dreimal Mal um den Roundpen, ich verfiel auch in mein altes Muster – Panik!, „Juli KOMM, PLATZ, KOOOOMMMMM, PLAAATZ“ etc. Da ich einen Moment brauchte, um einen Plan zu schmieden;-), blieb ich einfach stehen und was tat sie?: sie ging auf 12 Uhr und (das hat sie das letzte Mal vielleicht vor 3 Jahren gemacht!!) und dann waren wir beide komplett ruhig. Sie hielt die Schafe einfach perfekt auf mich zu – die Schafe waren dadurch total cool – und jedesmal wenn ich mich bewegte, balancierte sie perfekt aus – was für ein absolut magischer Moment! Dieses Ausbalancieren war bisher ein Ding der Unmöglichkeit gewesen (bzw. war eigentlich alles zu einem Ding der UNmöglichkeit verkommen), ich hatte mir die grössten Gedanken gemacht „wieso macht sie es nicht??“ Sie hat noch nie in ihrem ganzen Leben (ausser einigen Ausnahmen in Ihrer Jugend) die Schafe auf mich zu balanciert, noch nie hatte ich das Gefühl, dass sie mir die Schafe bringen will. Ich war so glücklich. Ich redete ihr ruhig zu, so wie wir es geübt hatten und sie reagierte auf die subtilsten Signale.
Ich bin auch enorm glücklich, weil ich bisher einfach nicht wusste, wie und ob ich diese Momente der Ruhe, wie ich sie bei meinem Nachbarn und in ihrer Jugend erlebt hatte, wieder „reproduzieren“ könnte – wie ich Juli überhaupt auch nur annähernd ausbilden könnte. Ihre Fähigkeiten waren einfach nicht abzurufen und unter jeder Menge schlechtester Gewohnheiten verdeckt.
Und nun habe ich plötzlich einen Zugang zu ihr und sie bleibt absolut ruhig.
Wir waren beide ganz geflasht und anscheinend fand auch Juli: auf diesen Moment haben wir nun über drei Jahre gewartet, der soll jetzt nicht so schnell vorüber sein:-)! Und so balancierte sie (absolut ruhig) jeden Zentimeter aus, den ich auf sie zu zu machen versuchte – dabei verhielt sie sich nicht so im Stil „ich mach, was ich will“, sondern eher „jemand muss sich um die Schafe kümmern, man kann sie nicht allein lassen“. Nach einer halben Stunde wurde es langsam kalt und nach 45 Minuten war ich doch langsam etwas hilflos;-)! Leider waren mehrere potentielle Retter nicht verfügbar und so versuchte ich, mich zu verstecken (Juli balancierte auf das Versteck aus;-)), sie mit allen möglichen Rufen heranzulocken, etc. -keine Chance. Sie kam zwar teils etwas weg, aber fand dann doch „wenn Du nach Hause musst, dann geh nur, ich bleibe dann hier und halte die Stellung“.
Glücklicherweise konnten wir dann doch eine Helferin finden, die so nett war und extra vorbeikam (ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich recht ungeniert). Juli freute sich, sie zu sehen, liess sich dadurch kurz ablenken und wir konnten sie mitnehmen.
Es scheint auch für Juli ein sehr spezielles Erlebnis gewesen zu sein, sie wollte kein Abendessen haben (Millie frass gleich beide Portionen und bereut es nun) und sie wirkt sehr nachdenklich!
Auch ich hoffe, dass wir diese Verbindung erhalten können!